Deutschland fiebert dem WM-Halbfinale heute Abend gegen Spanien entgegen und einige tausend Deutsche werden das Spiel sogar in 3D sehen können. Doch obwohl 3D-Fernseher von der Industrie bereits heftig beworben (man achte nur auf die Bandenwerbung in Südafrika) und sogar schon geliefert werden, muss man für die Liveübertragung in der dritten Dimension ins Kino gehen.
Dort läuft es allerdings alles andere als glatt. Erst während der WM konnten sich die Kinobetreiber mit dem Anbieter darauf verständigen, die Übertragung tatsächlich zu zeigen. Nach einer Probevorführung vor der WM wurde noch die schlechte Übertragungs- und Bildqualität bemängelt, zudem hätten die Lizenzbedingungen wohl zu Eintrittspreisen von bis zu 20 Euro geführt. Diese Einwände wurden offensichtlich beseitigt, denn wie die offizielle Internetseite wm-3d.com verrät, konnten 29 Kinos in Deutschland bis zu neun Spiele in 3D zeigen.
Nachdem erste Erfahrungsberichte aus den Kinos über im besten Falle vorübergehende Bild- und Tonaussetzer informierten, suchte ich mir das gestrige Halbfinale ohne deutsche Beteiligung für einen Test aus. Leider scheiterte ich daran, dass von den vier Kinos in Berlin lediglich das für mich am schlechtesten erreichbare tatsächlich die 3D-Übertragung anbot. Offenbar rennen die Zuschauer den Kinos nicht die Türen ein, um Fußball in einer neuen Dimension zu sehen. Oder hat es nur keiner mitbekommen?
Spricht das jetzt gegen die 3D-Revolution? Sicherlich nicht, denn Spielfilme in 3D sind fast schon zur Normalität geworden und für die oben bereits erwähnten 3D-TVs erscheinen immer mehr Blu-rays, die 3D unterstützen. Auch für die gängigen Spielkonsolen sind 3D-Erweiterungen bereits angekündigt. Nur auf Liveübertragungen im Heimkino wird man wohl noch länger warten müssen. Die Produktionsfirmen beginnen erst damit, Erfahrungen mit der neuen Technik zu sammeln, die offensichtlich noch voller Kinderkrankheiten steckt. Zudem benötigt die Ausstrahlung in 3D eine hohe Bandbreite, die sich derzeit halbwegs stabil nur über Satellitentechnik erreichen lässt. Wer sich einen 3D-Fernseher kaufen möchte, darf also derzeit nicht vergessen, auch einen entsprechenden Blu-ray-Player in den Warenkorb zu legen, sonst wird es nichts mit dem Effekt!
Mit deutlich weniger Bandbreite kam die 2D-Übertragung der WM auf dem iPhone aus. Während die offiziellen Streams der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet regelmäßig ruckelten, aussetzten oder gar nicht erst starteten, war ich überrascht, wie gut die Qualität der Mobile-TV-App auf Apples Mobiltelefon bei ausreichendem UMTS-Empfang war. Zwar kam es auch hier ab und an zu Aussetzern, aber im Gegensatz zum DVB-H Experiment zur EM 2008, konnte dieses Mal tatsächlich eine große Anzahl von Nutzern die Übertragungen verfolgen – wenn auch nur gegen Extragebühren. Mit dem Retina-Display des neuen iPhone 4 könnte das Bild dann noch knackiger aussehen, wenn denn der Empfang stimmt... Doch dazu später mehr im Artikel über Apples neues Handy.
Jetzt fange ich an, Daumen zu drücken, dass unsere Nationalmannschaft am Sonntag gegen die Niederlande antreten darf. Und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
-McW-
